Wir freuen uns, dass Neustrelitz zur Modellstadt des Projektes „Bausteine für Fußverkehrsstrategien (FVS2)“ ausgewählt wurde und bieten an dieser Stelle erste Informationen

 

Kurzvorstellung der Stadt

Blick vom Schlossgarten auf die Stadtkirche
Foto: Patrick Riskowsky, FUSS e.V.

Die Stadt Neustrelitz liegt im Süden des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern und hat eine Einwohnerzahl von rund 21.000 (Stand 31.12.2015).(1) Sie befindet sich somit im Naturraum der Mecklenburgischen Seenplatte mit zahlreichen Seen und Wasserstraßen sowie Radfernwegen und Wasserwanderrouten, wodurch Touristen zum Wandern, Radeln und Bootfahren in der Region eingeladen werden. Angebunden ist die Stadt auf dem Schienenweg durch die Bahnstrecke Berlin-Rostock/Stralsund, welche seit Ende des 19. Jahrhunderts besteht. Zudem gibt es auf dem Wasserweg schiffbare Verbindungen in Richtung Hamburg und Berlin durch den 1842 eröffneten Kammerkanal, der bei Neustrelitz in den Zierker See mündet, wo sich auch der Stadthafen befindet.(2)

Innenstadt von Neustrelitz im Stadtmodell (Das Modell ist vor der Neustrelitzer Stadtkirche am Marktplatz zu betrachten.)
Foto: Patrick Riskowsky, FUSS e.V.

Neustrelitz ist eine Planstadt aus dem 18. Jahrhundert, in Auftrag gegeben im Jahr 1733 von Großherzog Adolf Friedrich III. von Mecklenburg Strelitz als neue Residenzstadt, nachdem 19 Jahre zuvor die ursprüngliche Residenz bei einem Brand vollkommen zerstört worden war. Der stadtbildprägende quadratischen Markt mit achtstraligen Sternstraßen wurde im barocken Stil errichtet und der Stadtgrundriss einer Idealstadt aus Italien nachempfunden. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts entstanden in Neustrelitz einige Kirchen, Repräsentanzbauten und Wirtschaftsgebäude, die von Friedrich Wilhelm Buttels, Schüler des berühmten Architekten Karl Friedrich Schinkel, entworfen worden waren. Der Schlossgarten mit Bauwerken wie der klassizistischen Orangerie oder der Kirche im neogotischen Stil sowie zahlreichen Skulpturen, Brunnen und alten Bäumen ist noch heute zu besichtigen; Lediglich das Residenzsschloss fiel den Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg zum Opfer, wurde schließlich vollständig abgetragen und nicht wieder aufgebaut.(2)

Abgesehen von der Innenstadt erstreckt sich die Gesamtstadt bandartig von Norden (Stadtteil Zierke) nach Süden (Stadtteile Kiefernheide und Strelitz-Alt). Die Ursprünge der Stadt liegen dabei in Strelitz-Alt, eine im 12. Jahrhundert gegründete slawische Siedlung, die 1931 in die Stadt Neustrelitz eingemeindet worden ist. Seitdem entwickelte sich bis in die 1990er Jahre hinein zwischen Strelitz-Alt und der Innenstadt der Stadtteil Kiefernheide, der vor allem durch die klassische DDR-Plattenbebauung der 1960er und 70er Jahre geprägt ist.(3)

Marktplatz
Foto: Patrick Riskowsky, FUSS e.V.

Aufgrund einer Ortsumgehung mit den Bundesstraßen B96, B193 und B198 ist der Innenstadtbereich weitestgehend frei von regionalen bzw. überregionalen Durchgangsverkehren. Der Marktplatz mit seiner verkehrlichen Verteilerfunktion weist allerdings einen relativ hohen Kfz-Anteil auf, was die Qualität für den Fußverkehr in gewissem Maße einschränkt. In der Mitte des Marktplatzes befindet sich eine große, kreisförmige Mittelinsel mit Bäumen, Bänken und einem Wasserspiel. Als wichtigste Geschäftsstraße und zugleich Fußgängerzone schließen sich die Strelitzer Straße und ein Einkaufszentrum im Südosten daran an. Unweit davon sind der Hauptbahnhof sowie daran angeschlossen der Busbahnhof (ZOB) zu finden. Der Fußverkehr teilt sich in der Innenstadt weitestgehend die straßenbegleitenden Gehwege mit dem Radverkehr.(3)

Fußverkehr in den konzeptionellen Planungen der Stadt

Touristischer Wegweiser für Fußgänger
Foto: Patrick Riskowsky, FUSS e.V.

Die im Neustrelitzer Verkehrsentwicklungsplan von 2004 getroffenen ersten Aussagen zum Fußverkehr wurden in der Fortschreibung des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) weiter ausgeführt und mit Optimierungsbedarf versehen.(4) Insbesondere das Thema „Barrierefreiheit im öffentlichen Raum“ erhielt unter starker Beteiligung der Öffentlichkeit mittels eines Workshops, der Presse und eines Bürgerdialogs „aufgrund des Handlungserfordernisses eine entsprechende Gewichtung im ISEK“. Das ISEK sowie die daraus entwickelten Stadtteilkonzepte enthalten u. a. Aussagen zu Wegeverbindungen, Fußwegeerneuerungen sowie allgemeinen Zielstellungen, die den Fußverkehr betreffen, wie „z.B. das Ziel der Schaffung kleinteiliger Wegeverbindungen zur Erlebbarmachung der historischen Innenstadt mit konkreten Projekten“.(3)

Aus Sicht der Stadtverwaltung in Neustrelitz geht es beim Thema Fußverkehr letztendlich „um einen Paradigmenwechsel bei den einzelnen Verkehrsteilnehmern. Der ökologische, ökonomische und gesundheitliche Nutzen vom Fuß“bus“ muss wieder erkennbar gemacht werden, was unbestritten nicht zuletzt durch eine exzellente Infrastruktur befördert werden kann... In Zeiten der Automobilindustrie [besteht] für [viele] nicht das Verständnis für die Notwendigkeit des Fußverkehrs. Einschränkungen im Komfort für den Autofahrer wollen leider bisher zu wenige Entscheidungsträger hinnehmen, um klare Zeichen für eine den Fußverkehr fördernde und damit entschleunigte Stadt zu setzen. Nicht zuletzt muss konstatiert werden, dass dieses Thema auf Planungsebene bislang (noch) nicht die erforderliche Beachtung erfahren hat.“(1)

Projektverlauf

An dieser Stelle möchten wir Sie über den Projektverlauf in der Stadt Neustrelitz informieren und Sie dazu auf dem Laufenden halten.

Das Projekt „Bausteine für Fußverkehrsstrategien (FVS2)“ ist Mitte Juni 2018 mit einem ersten Gespräch in der Verwaltung gestartet. Darüber hinaus führte FUSS e.V. einen internen Fach-Fußverkehrs-Check im Format „Blitzlicht“ auf einer ausgewählten Route durch die Innenstadt von Neustrelitz durch. Im Herbst 2018 soll ein Workshop stattfinden, zu dem Verbände- und Interessensvertreter/innen aus der Region eingeladen sind, die Stadt Neustrelitz auf dem Weg als Modellstadt für Fußverkehrsstrategien zu begleiten. Geplant ist zudem ein Fußverkehrs-Check mit der Öffentlichkeit (im Format „Wetterleuchten“ oder „Stadt wahrnehmen“).

Ausführliche Informationen zu unseren Check-Methoden finden Sie übrigens unter: www.fussverkehrs-check.de

Die Ergebnisse des Projekts in Neustrelitz werden im Laufe des Projektes an dieser Stelle für Sie bereitgestellt.

 

Quellen

  1. Schreiben des Amtes für Stadtplanung und Grundstücksentwicklung Neustrelitz, vom 11.10.2016
  2. Webseite der Stadt, Kategorie Stadtportrait. Abgerufen am 28.06.2018 unter: https://www.neustrelitz.de/erleben/stadtportrait
  3. Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) der Stadt Neustrelitz (2016), zweite Fortschreibung (Ursprungsdokument von 2002), Wagner Planungsgesellschaft, S. 9ff. und S. 87ff. Abgerufen am 17.05.2018 unter: https://www.neustrelitz.de/leben/stadtentwicklung_und_bau/lib/media.php?id=4973
  4. Vgl. Verkehrsentwicklungsplan (VEP) der Stadt Neustrelitz (2004), Kurzfassung, Gesellschaft für angewandte Stadt- und Strukturforschung GbR (Kommunal Data)