Im Rahmen des Projektes „Handlungsleitfaden für Fußverkehrsstrategien (FVS)“ wurde eine Befragung durchgeführt, an der sich 107 Menschen beteiligt haben, die sich als Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer verstehen oder ehrenamtlich in Verkehrsinitiativen oder im Verbändebereich tätig sind. Sie beantworteten Fragen

befragt. Darüber hinaus finden Sie eine kurze Erläuterung zur Durchführung dieser Befragung.

Zeitlich parallel wurde eine Befragung von Fachleuten (Planende) mit den gleichen Fragestellungen durchgeführt und hier dürfte auch die zusammenfassende und vergleichenden Betrachtung der beiden Befragungen von Interesse sein.

 

Goldener Weg. Straße Am Born, Hamburg-Altona, Aktion von REMIDA® – Das kreative Recycling Centro (Foto: FUSS e.V., Bernd Herzog-Schlagk)

Die Frage: Was sind Ihrer Meinung nach die herausragenden Vorteile des Fußverkehrs für die Gemeinden und ihre Einwohner?

Es wurden 35 Stichworte genannt (bei insgesamt 372 Nennungen) die in der Auswertung in sechs Gruppen zusammengestellt wurden:

Vorteile für die Bevölkerung (ca. 33% der Nennungen)

Vorteile im öffentlichen Raum (ca. 22% der Nennungen)

Vorteile für die Umwelt (ca. 21% der Nennungen)

Ökonomische Vorteile (ca. 10% der Nennungen)

Vorteile für die Verkehrsabwicklung (ca. 10% der Nennungen)

Weitere Vorteile (ca. 2% der Nennungen)

 

Öffentlicher Wohnraum. Cafe Wohn(t)raum, Weimarer Straße, Berlin-Charlottenburg (Foto: FUSS e.V., Bernd Herzog-Schlagk)

Die Frage: Was sind Ihrer Meinung nach die wesentlichen fußverkehrsrelevanten Themenstellungen, die in einer Fußverkehrsstrategie einer Gemeinde enthalten sein sollten?

Es wurden 70 Stichworte genannt (bei insgesamt 388 Nennungen) die in der Auswertung in sechs Gruppen zusammengestellt wurden:

Fußwegeausstattung (ca. 30% der Nennungen)

Andere Verkehrsteilnehmer (ca. 24% der Nennungen)

Planung (ca. 18% der Nennungen)

Querungsanlagen (ca. 12% der Nennungen)

Politik (ca. 6% der Nennungen)

Andere Aspekte (ca. 10% der Nennungen)

 

Innenstadt-Altlast. Bahnhofstraße, Chemnitz (Foto: FUSS e.V., Bernd Herzog-Schlagk)

Die Frage: Was waren bisher Ihrer Meinung nach die wesentlichen Hemmnisse gegen eine strategische Förderung des Fußverkehrs, durch die die Entwicklung in Deutschland im Gegensatz zu anderen Staaten wie z.B. der Schweiz oder Österreich so ins Hintertreffen geraten ist?

Es wurden 60 Stichworte genannt (bei insgesamt 208 Nennungen) die in der Auswertung in fünf Gruppen zusammengestellt wurden:

Hemmnisse in Politik und Planung (ca. 45% der Nennungen)

Hemmnisse durch starke Autolobby (ca. 34% der Nennungen)

Hemmnisse seitens der Bevölkerung (ca. 15 % der Nennungen)

Hemmnisse durch andere Verkehrsmittel (ca. 4% der Nennungen)

Andere Hemmnisse (ca. 2% der Nennungen)

 

Foto: FUSS e.V., Bernd Herzog-Schlagk

Die Frage: Sollten Fuß- und Radverkehr auf kommunaler Ebene eher gemeinsam betrachtet und angegangen werden oder getrennt?

Es gibt drei Ansichten zur Vorgehensweise bei der Förderung der Mobilität mit eigener Muskelkraft, welcher würden Sie eher zustimmen:

Zu dieser Fragestellung gab es kein eindeutiges Votum durch die Befragten, für die aktuelle Vorgehensweise aber doch eine knappe Mehrheit (ca. 52 %) für eine erst einmal getrennte gegenüber ca. 42 % für eine grundsätzlich gemeinsame Vorgehensweise. Nur knapp 1/5 der Beteiligten ist der Ansicht, dass Fuß- und Radverkehr stets getrennt betrachtet werden sollten, da sie sehr unterschiedliche Ansprüche haben. Immerhin 6 % der Beteiligten konnten sich offensichtlich nicht entscheiden.

Bemerkenswert war die Struktur der Beteiligten nach ihren persönlichen Merkmalen zur Aussage: „Es ist sinnvoll, den Fußverkehr erst einmal einzeln zu betrachten.“

 

Weitere Aussagen:

Folgende Anmerkungen wurden zusätzlich angefügt und waren nicht bei der Erfassung der Antworten aufgrund der Fragestellungen unterzubringen.

Durchführung der Befragung

Eine Befragungen von Fachleuten und Verbändevertreterinnen und Vertretern wurden am 14. April 2016 im Rahmen einer Kick-off-Veranstaltung zur Europäischen Mobilitätswoche EMW des Umweltbundesamtes UBA gestartet. Die für diesen Zweck erarbeiteten Fragestellungen an Interview-Partnerinnen und Partner, die ebenfalls an der Veranstaltung teilnahmen, wurden danach für Fachleute und für interessierte Laien zur besseren Vergleichbarkeit bewusst nicht mehr verändert.

Für die Beteiligung an der Befragung von interessierten Bürgerinnen und Bürger wurde lediglich in der mobilogisch! und im FUSS e.V.-Newsletter geworben und antworteten per Web-Formular. Die Internet-Befragung wurde zum 30. November 2016 beendet, bis dahin hatten sich 107 Personen beteiligt. Davon bezeichneten sich etwa 40 % der Personen als „einfach nur Verkehrsteilnehmerin oder Verkehrsteilnehmer“, etwa 20 waren in einer Bürgerinitiative oder in einem Verband, etwa 10 % in der Gemeindepolitik tätig und die anderen gaben Mischungen davon an. Von den Beteiligten waren 64 männlich (knapp 60 %) und 42 weiblich (39 %, eine Person ohne Angabe) und dies stellt für eine Befragung im Verkehrsbereich einen ungewöhnlich hohen Anteil von weiblichen Beteiligten dar. Demgegenüber war die Altersstruktur unausgewogen, da der Anteil jüngerer Beteiligter sehr gering war. Der Altersdurchschnitt lag bei ca. 55 Jahren und etwa ein Drittel gab die Altersgruppe „65 und älter“ an. Um auch die Meinungen von jüngeren Menschen einzubinden, wurden gesonderte Befragungsformate angewandt, die unter www.junge-leute-zu-fuss.de zusammengestellt sind.

Bei den drei offenen Fragestellungen (Vorteile + Themen + Hemmnisse) wurden insgesamt 165 Stichworte bei 968 Nennungen eingebracht. Hinter den Stichworten ist die absolute Zahl der Nennung in Klammern vermerkt. Die Antwortgruppen wurden bei der Auswertung festgelegt, wobei Überschneidungen nicht zu vermeiden waren.

 

*) Die Kurzbegriffe „Planende“ und „Gehende“ sind etwas willkürlich, weil auch alle „Planende“ Gehende sind und einige der „Gehenden“ möglicherweise in Stadtteilinitiativen oder Verbänden auch mitunter planen. Obwohl die beiden Formulare auf der Website auf getrennten Pfaden aufzurufen waren, haben sich dann doch „Gehende“ bei den Angaben zur Person als Fachleute geoutet und umgekehrt. Es war also keine ganz sichere Trennlinie zu ziehen.