An dieser Stelle wollen wir Sie darüber informieren, was sich Kommunen in Deutschland für ein bundesweites Netzwerk fußverkehrsfreundlicher Städte wünschen und welche Erwartungen sie daran knüpfen. Dazu stellen wir Ihnen
Im Mai 2018 wurde an alle deutschen Kommunen über 20.000 Einwohner/innen ein Fragebogen per Mail versendet, in dem wir die Wünsche und Erwartungen an ein bundesweites Netzwerk fußverkehrsfreundlicher Städte abgefragt haben. An der Umfrage haben insgesamt 92 Personen aus 87 Kommunen deutschlandweit teilgenommen. Bis auf die Stadtstaaten Hamburg und Bremen haben wir jeweils von mindestens einer Stadt aus jedem Bundesland eine Rückmeldung erhalten. Die meisten Rückmeldungen (etwa zwei Drittel) bekamen wir aus Großstädten (mehr als 100.000 Einwohner) und kleinen Mittelstädten (25.000 – 49.999 Einwohner). An der Befragung haben sich auch zehn der zwölf Modellstädte aus unseren Projekten “Handlungsleitfaden für Fußverkehrsstrategien” und “Bausteine für Fußverkehrsstrategien” beteiligt.
Von 92 an der Befragung teilgenommenen Personen gaben rund 71 % an, als Kommune bereits Mitglied in einem oder mehreren regionalen, länder- oder bundesweiten Netzwerken für nachhaltige Mobilität (z. B. Netzwerk für fahrradfreundliche Kommunen) zu sein. 25 % sind mit ihrer Kommune (noch) nicht Teil eines solchen Netzwerks und etwa vier Prozent ist nichts darüber bekannt.
So schätzen die Befragten folgende Aspekte hinsichtlich der Fußverkehrsförderung in Ihrer Kommune ein:
Sowohl der Wissensstand als auch die Verfügbarkeit von literarischen Grundlagen und Kenntnisse zu den Richtlinien werden mit guter Schulnote beurteilt, während sich die Personalsituation sowie die Verfügbarkeit finanzieller Mittel im Durchschnitt am schlechtesten darstellen. Weitere Punkte wie die Durchführung von Projekten, die Aufmerksamkeit für das Thema Fußverkehr und die Zufriedenheit der Bevölkerung liegen im Mittelfeld der Beurteilung. Auch der Austausch mit Experten und anderen Kommunen wird von den Befragten durchschnittlich als befriedigend bewertet.
Aus folgenden Gründen würden Kommunen an einem Netzwerk fußverkehrsfreundlicher Städte teilhaben:
Die meisten an der Befragung teilgenommenen Personen (rund 86 %) haben Interesse am Vorgehen anderer Kommunen und kaum weniger würden gerne von und mit anderen Kommunen lernen. Etwa drei Viertel wünschen sich einen allgemeinen Erfahrungsaustausch „auf Augenhöhe“, während auch 25 % ihre Erfahrungen an unerfahrene Kommunen weitergeben würden wollen.
Bei einem Netzwerk fußverkehrsfreundlicher Städte wäre den Kommunen Folgendes wichtig:
Themenzentrierte Veranstaltungen und Seminare sind den meisten an der Befragung teilgenommenen Personen am wichtigsten (70 %), gefolgt von engagierten Teilnehmer/innen (57 %), einer hohen Vielfalt an Kommunen (39 %) und stattfindenden Fachexkursionen (32 %). Weniger wichtig sind ihnen gemeinsame Projekte und Aktionen sowie ein gemeinsames Internetportal (beides jeweils 23 %), regelmäßige Meetings (18 %) und eine gemeinsame Online-Chat-Plattform als auch die hohe Anzahl an teilnehmenden Kommunen (beides jeweils 15 %).
Die Kommunen erwarten folgende Vorteile aus einem Netzwerk fußverkehrsfreundlicher Kommunen:
Hauptsächlich erhofft werden sich neue Ideen und erprobte Maßnahmen aus vergleichbaren Kommunen (88 %) und eine Steigerung des eigenen Erfahrungsschatzes/ Wissensgewinn im Bereich Fußverkehr (86 %). Weniger wichtig ist der Gewinn von mehr Sicherheit im Umgang mit der Förderung des Fußverkehrs (58 %), eine höhere bzw. positive mediale Aufmerksamkeit (38 %) und die Möglichkeit, jederzeit Fragen stellen zu können (35 %). Die Kommunen setzen kaum Erwartungen an ein besseres Image ihrer Kommune (24 %) oder eine Entlastung der Mitarbeiter/innen in ihrer Verwaltung (11 %).
Folgende Fragen würden die an der Befragung teilgenommenden Personen einer Kommune stellen, die bereits einen Erfahrungsschatz im Umgang mit der Förderung des Fußverkehrs hat:
(kleine Auswahl häufig gestellter Fragen)
Einstieg in die Fußverkehrsförderung / Vorgehensweise
Auswirkungen des Einstiegs in die Fußverkehrsförderung
Politik und Planung
Die Teilnehmenden haben vor der Diskussion in der großen Runde zunächst Zeit bekommen, erst einmal für sich in Ruhe die Wünsche und Erwartungen an ein bundesweites Netzwerk fußverkehrsfreundlicher Kommunen auf Moderationskarten zu schreiben, welche dann an einer Pinnwand zusammengetragen und thematisch geclustert worden sind. Dabei haben sich folgende fünf Themenbereiche herauskristallisiert:
In der letzten Pause des Aktivseminars erhalten die Teilnehmenden je drei Klebepunkte zur Priorisierung der vorgebrachten Ideen, Vorschläge und Anmerkungen, was folgendes Ergebnis hervorbringt:
7 Punkte
5 Punkte
4 Punkte
3 Punkte
2 Punkte
1 Punkt
Diskussionsrunde
Im Seminar gibt es schließlich im Rahmen einer Diskussionsrunde konkrete Hinweise und in den Raum gestellte Grundsatzfragen bezüglich eines bundesweiten Netzwerks fußverkehrsfreundlicher Städte. Zunächst einmal sind sich die Teilnehmenden einig, dass das Zufußgehen eine bislang unterschätzte „Schlüsselmobilität“ sei, zumal Gehen auch das Knüpfen sozialer Kontakte fördere und es eine „neue“ Mobilitätskultur in Deutschland geben sollte. Die entscheidende Frage lautet aber: Welche Akteure sollten nun eigentlich Mitglied in einem bundesweiten Netzwerk für Fußverkehr werden bzw. braucht es neben den Kommunen noch weitere Akteure?
Der Hinweis eines Teilnehmenden besagt, dass in jedem Fall keine unnötigen Doppelstrukturen zu beispielsweise bereits bestehenden Arbeitsgemeinschaften Radverkehr (auf Landesebene) aufgebaut werden sollten, da dies möglicherweise eine nicht gewollte Konkurrenzbetrachtung unter den unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern suggeriert. Daher wird vorschlagen, auch Arbeitsgemeinschaften Fahrradfreundliche Kommunen mit in das Netzwerk einzubeziehen. Vielmehr solle aber der Umweltverbund (Fuß, Rad, ÖPNV) im Ganzen berücksichtigt bleiben sollte, beispielsweise mittels einer AG Umweltverbund. Darüber hinaus sollte auch die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) angesprochen werden, wobei es in der Regel immer hilfreich sei, Forschungs- und Bildungseinrichtungen hinzuzuziehen. Weitere Ideen der Teilnehmenden sind die Einbindung des Deutschen Städtetags, die Hierarchierisierung einer AG Umweltverbund in mehrere Unterarbeitsgruppen sowie das Ansprechen weiterer Lobbyverbände aus den Bereichen Wirtschaft, Einzelhandel, Gesundheit als auch die der Behinderten und Senioren. Alles in allem sei der Fußverkehr eine Querschnittsaufgabe, zu der viele verschiedene Akteure einzubeziehen sind, was den Kreis der potenziellen Mitglieder eines Netzwerks Fußverkehr Deutschland um ein vielfaches erhöhe. Eine abschließende Beantwortung der Mitgliederfrage bleibt somit bis zum Ende des Seminars aus.
Bezüglich der Wünsche für ein Netzwerk äußerten die Teilnehmenden als Ideen beispielsweise
Letztendlich sei das regelmäßige Zusammenkommen der Netzwerk-Mitglieder für eine face-to-face-Kommunikation sehr wichtig – und das nicht nur an einem einzigen festgesetzten Ort, sondern mit wechselnden Ausrichterstädten.