Wir freuen uns, dass Jena zur Modellstadt des Projektes „Handlungsleitfaden für Fußverkehrsstrategien (FVS)“ ausgewählt wurde und bieten hiermit erste Informationen zur Stadt:
sowie zu den durchgeführten und geplanten Projektaktivitäten:
Das Projekt bezieht sich in seiner Zielsetzung auf den noch gültigen Verkehrsentwicklungsplan aus dem Jahre 2002 (1) und verfolgt als Teilziel, die Aspekte des Zu-Fuß-Gehens in diesem Sinne zu konkretisieren. Es möchte sich einbringen in die laufende Diskussion zur Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplanes (2) und zu den Leitlinien der zukünftigen Mobilität in Jena, die zurzeit erst im Entwurf vorliegen.(3)
Die Stadt führt den Untertitel „Lichtstadt“ und liegt im „Grünen Herzen“ Deutschlands im landschaftlich reizvollen Saaletal in Thüringen. Sie hat derzeit mit ihren 34 Ortsteilen insgesamt 107.000 Einwohnerinnen und Einwohner, mit einem steigenden Trend. Auffallend ist, dass insbesondere die Zahl der über 75-jährigen Menschen bis 2030 um ein Drittel ansteigt und sich die Zahl der über 85-Jährigen sogar verdoppeln wird. Und dennoch ist Jena eine junge Stadt: An der ältesten Universität, der Friedrich-Schiller-Universität, sind derzeit 18.400 Studenten eingeschrieben, dazu kommen 4.700 Studenten der Ernst-Abbe-Hochschule. Darüber hinaus beherbergt die Stadt z.B. mit der Max-Planck- und Fraunhofer-Gesellschaft sowie der Leibniz-Gemeinschaft zahlreiche Institute und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen.
Jena ist durch die Bundesstraßen B7 und B88 an das überregionale Straßennetz angeschlossen; die Trassen sind allerdings gleichzeitig eine Herausforderung für die Wegeführungen der anderen Verkehrsarten im Stadtbereich. Für die etwa 25.000 Ein- und10.000 Auspendler werden in Zukunft noch bessere Verbindungen im Schienenpersonennahverkehr über die vier innerstädtischen Haltepunkte durch den Ersatz der IC/ICE- durch RE-Anbindungen entstehen. Das Liniennetz des städtischen Verkehrsunternehmens ist mit 5 Straßenbahn- und 11 Buslinien hervorragend ausgebaut (Modalsplit 2013: 19 % ÖPV). In Jena treffen fünf Fernradwege aufeinander, denen in den vergangenen Jahre besondere Aufmerksamkeit zuteil wurde (Modalsplit 2013: 9 % Fahrrad). Die Anbindung der regionalen Wanderwege wurde in den bisherigen Konzeptionen nicht besonders hervorgehoben, es wurden allerdings in den vergangenen Jahren vor allem entlang der Saale mehrere Fußwege umgestaltet und so attraktive Aufenthaltsbereiche geschaffen.
„Die Stadt Jena verfügt über umfassende Strategien und Konzepte zur Stadtentwicklung und -gestaltung, zur Verkehrsentwicklung sowie zu Umweltfragen. Inhalt all dieser Planungen ist die Verbesserung der Lebensbedingungen durch die Förderung umweltfreundlicher Mobilität. Der Verkehrsentwicklungsplan (VEP) 1993 räumte dem Fußverkehr im Zielkonzept zwar eine hohe Bedeutung ein, es erfolgte jedoch auf dieser Bearbeitungsebene keine detaillierte Behandlung. Auch der VEP 2002 geht über eine auf das innerstädtische Bundesstraßennetz beschränkte Mängelanalyse (fehlende Fußwege) nicht hinaus…(1). Eine detaillierte, auf die Belange des Fußverkehrs bezogene Untersuchung können auf Grund der Themensetzung auch [die Stadtentwicklungskonzepte Nord, Ost und West/Zentrum sowie in den städtebaulichen Rahmenplänen Lobeda und Winzerla] nicht umfassend leisten.“ Jena verfügt „über kein geschlossenes Fußgängerkonzept.“(4)
Die Leitlinien für die zukünftige Mobilität in Jena, die zurzeit erst im Entwurf vorliegen,(3) beinhalten für den Fußverkehr konzeptionellen Handlungsbedarf und zeigen im Wesentlichen bereits die Kernbereiche für Struktur- und Service-Maßnahmen auf. Zu nennen sind hier insbesondere
Im Abschnitt „Strategien zur Mobilitätsentwicklung“ wird festgestellt: „Der Fußverkehr ist die wichtigste Verkehrsart in Jena, wenn man dessen Wegeanteil am Modalsplit betrachtet. Die Bedingungen im Fußverkehr sind allerdings derzeit in vielen Bereichen wenig förderlich. Verbesserungswürdig sind insbesondere die Nutzbarkeit von straßenbegleitenden Gehwegen und die Überquerbarkeit von stark befahrenen Straßen […] die Verkürzung von Wartezeiten an Signalanlagen sowie der Ersatz bzw. die Ergänzung von beschwerlichen, von Mobilitätsbeeinträchtigten kaum nutzbaren und teilweise sozial unsichere Unter- und Überführungen durch ebenerdige Querungsstellen…“(6)
Bereits seit längerem engagiert sich Jena für eine möglichst umweltfreundliche Abwicklung des Verkehrs. So konnte die Stadt wiederholt den European Energy Award in Gold erlangen (7), nahm am Wettbewerb „Emissionsfreie Mobilität in den Kommunen“ teil (8) und führte eine eigene Kampagne für umweltfreundliche Mobilität „Schritt für Schritt“ durch (9), die 2011 mit einem Anerkennungspreis des Thüringer Umweltministeriums gewürdigt wurde. 2014 wurde „eine Online-Befragung durchgeführt, in der auch spezielle fußverkehrsrelevante Fragestellungen enthalten waren. Zusammen mit den Ergebnissen eines durch den VCD Jena durchgeführten `Ampeltestes`(2016) des FUSS e.V. sowie der Verkehrsunfallstatistik Jena wurden in einem ersten Schritt zunächst die bestehenden Mängel erfasst…. Vor allem entlang der Saale wurden in den vergangenen Jahren mehrere Fußwege umgestaltet und so attraktive Aufenthaltsbereiche geschaffen.“
Die Stadtverwaltung möchte den vergleichbar hohen Anteil des Fußverkehrs am Modalsplit (2013: 38%) erhalten und ausbauen. Die strategische Förderung des Fußverkehrs kann noch gesteigert werden. Allerdings gibt es in der Stadt eine wachsende Kritik an der Zurückdrängung des motorisierten Individualverkehrs MIV (Modalsplit 2013: 34 %).(4) So wird in Jena auch der externe Impuls von FUSS e.V. zur Stärkung des Problembewusstseins hoch bewertet um die Überwindung einer eher autoorientierten Grundstimmung zu unterstützen.
Inhaltliche Schwerpunkte des Fußverkehrschecks in der Stadt Jena sollen nach der ersten Gesprächsrunde (PDF) im Dezernat für Stadtentwicklung und Umwelt (Fachdienst Stadtumbau und Infrastruktur) am 19. Januar 2017
sein. Diese Vorgabe bezieht sich auf den Abschnitt „Die Innenstadt und die Stadtteilzentren – attraktiv und hochwertig gestaltet“ im Entwurf der Leitlinien Mobilität: „Der Straßenring um das Zentrum ist zu Fuß umwegfrei, wartezeitarm, sicher und barrierefrei überquerbar.“(10) Dazu wurde bereits ein 1. Fußverkehrscheck der Verkehrsachse östlich der Innenstadt (PDF)als Mängelanalyse mit verschiedenen Lösungsansätzen und einem Fazit durchgeführt. Auszüge aus den Ergebnissen wurden bei einer zweiten Ortsbegehung mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Verwaltung, aus Verbänden und örtlichen Gremien diskutiert. Eine Protokoll-Zusammenfassung finden Sie unter 2. Fußverkehrscheck.
Darüber hinaus wünschte sich die Stadtverwaltung,
Hierzu war der gesprächsfördernde Workshop: Jena – Wo stehen wir und wo wollen wir hin? (PDF) ein innovativer Baustein des Projektes. In einem 2. Workshop (PDF) hat die Stadtverwaltung gemeinsam mit den Vertretern des FUSS e.V. über die zukünftigen Schritte beraten und teilweise konkrete Schritte festgelegt. Einige der analysierten Querungsstellen sollen zukünftig verändert werden oder sind bereits als Maßnahme in die Wege geleitet worden. Für die in Priorität gesetzte Erarbeitung eines Fußwegenetzes hat der FUSS e.V. auch seine zukünftige Mitarbeit angeboten.
Wir freuen uns, dass Halle (Saale) als Modellstadt am Projekt „Bausteine für Fußverkehrsstrategien“ teilgenommen hat und bieten an dieser Stelle Informationen zur Stadt:
sowie zu durchgeführten Projektaktivitäten:
Die Stadt Halle (Saale) hat circa 241.000 Einwohner und liegt im Süden von Sachsen-Anhalt. Mit dem Flughafen Leipzig-Halle sowie zahlreichen ICE-Verbindungen und Autobahnanschlüssen genießt Halle eine verkehrliche Lagegunst in Mitteldeutschland.(1)
Bekannt ist die Stadt unter anderem als Geburtsstadt des Komponisten Georg Friedrich Händel, was einen großen Einfluss auf das örtliche Kulturangebot hat. Darüber hinaus profitiert die Stadt von einem „konzentrierte[n] Mix aus Kunst, Kultur, Erholung, Gastronomie und Einkauf“ sowie einer Großzahl an Wasser- und Grünanlagen entlang sowie abseits der Saale.(2)
Die erste namentliche Erwähnung erfuhr Halle bereits vor mehr als 1200 Jahren, wurde aber erst im Jahr 1258 unabhängig und 23 Jahre später urkundlich zur Hansestadt ernannt. Der Name der Stadt leitet sich wahrscheinlich aus dem keltischen Wort „halla“ her, was so viel bedeutet wie „Stätte der Salzzubereitung“. Schon vor mehr als 2000 Jahren wurden unweit der Saale Salzwasserquellen entdeckt, die von keltischen, germanischen und slawischen Stämmen zur Salzproduktion verwendet wurden. Die Salzgewinnung und der Salzhandel waren auch noch im 18. Jahrhundert für die Wirtschaft der Stadt prägsam und bis heute sind die Salzarbeiter unter dem Namen „Halloren“ bekannt. Schließlich musste die Salzproduktion aus wirtschaftlichen Gründen 1964 eingestellt werden. Seit 1969 erinnert ein Salinemuseum an die historische Salzgewinnung.(3)
Besonders eindrücklich ist der Kontrast zwischen der historisch gewachsenen Altstadt und der Anfang der 1960er Jahre erbauten DDR-Arbeitersiedlung Halle-Neustadt im Westen der Stadt. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts siedelten sich mehr und mehr Chemiebetriebe in Halle und Umgebung an, was mit den Jahrzehnten immer mehr Arbeiter in die Region zog. Um diesem „Ansturm“ beizukommen, begann man schließlich im Jahr 1964, Wohnungen im großen Stil mit für die DDR berühmten Plattenbauten westlich der Saale zu errichten. Die Bebauung des westlichen Saaleufers war lange Zeit bautechnisch schwierig aufgrund des hohen Grundwasserspiegels. Dieser wird seitdem mittels Pumpen reguliert.(3)
Sehr prägnant im Stadtbild von Halle ist der Riebeckplatz, ein großer Verkehrsknoten unweit des Hauptbahnhofs. Dieser Platz gliedert sich insgesamt in drei Ebenen: Erstens die Hochstraßenbrücke, über welche die heutige Bundesstraße B80 in Nord-Süd-Richtung geführt wird; zweitens der darunter gelegene Kreisverkehr, an dem Verkehre aus allen Himmelsrichtungen in der Stadt zusammenlaufen und an den sich im Südosten ein Busbahnhof angliedert; drittens die untersten Ebene, auf welcher der Fuß-, Rad- und Straßenbahnverkehr unter den großen Verkehrsplatz hindurch geführt wird und wodurch eine wichtige fußläufige Verbindung vom Hauptbahnhof in die Innenstadt besteht. An den unteren Riebeckplatz schließt sich im Westen die Leipziger Straße an, die seit 1974 als Fußgängerzone bis zum Marktplatz führt.(3)
Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) wird in Halle weitestgehend über Straßenbahnen abgewickelt, die im Altstadtbereich durch teils enge Straßen (z.B. Große Ulrichstraße) geführt werden. Auf diese Weise ist auch der ansonsten autofreie Marktplatz mit öffentlichen Verkehrsmitteln direkt zu erreichen.(4)
Der Anteil des Fußgängerverkehrs beträgt in Halle zurzeit ca. 33 % (Quelle: SrV 2013). Damit hat es im Vergleich zur SrV-Erhebung aus dem Jahr 1994 eine leichte Steigerung um 2 % gegeben, was zeigt, dass Zufußgehen in Halle (Saale) nach wie vor eine sehr verbreitete und beliebte Art der Fortbewegung ist.(5)
Gemäß des gültigen Verkehrspolitischen Leitbildes der Stadt Halle (Saale) aus dem Jahr 1997 (4) und den Verkehrspolitische Leitlinien der Stadt Halle (Saale) aus dem Jahr 2016 (7) ist es erklärtes verkehrspolitisches Ziel der Stadt Halle (Saale), den Fußverkehr zu fördern.(5)
Derzeit arbeitet die Stadt Halle (Saale) an der Erstellung eines aktuellen Stadtmobilitätsplans und im Rahmen dessen auch an einer Fußverkehrsstrategie.(5) Dazu fanden in den Jahren 2011-12 diverse Workshops mit unterschiedlichen verkehrlichen und räumlichen Schwerpunkten statt, darunter auch ein Fußverkehrs-Workshop in Kooperation mit einem Planungsbüro.(6)
Für den Altstadtbereich sind im Integrierten Stadtentwicklungskonzept Altstadt ebenfalls Ziele für den Fußverkehr definiert: Die Altstadt soll demnach autoarm werden, wobei die Verkehrsteilnehmer des Umweltverbunds (Fußgänger-, Radverkehr und Straßenbahnen) Vorrang haben sollen (S. 26). Außerdem sollen im Sinne der „Aufenthaltsqualität und Vernetzung für Fußgänger und Radfahrer “ Wegeverbindungen ausgebaut und das touristische Wegesystem aufgewertet werden (S. 33).(8)
Auch im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) 2025 aus dem Jahr 2017 wird beschrieben, dass „[d]ie Stärkung des Rad- und Fußverkehrs und die Erhöhung seines Anteils am Gesamtverkehr [...] einen wesentlichen Beitrag zur stadt- und umweltverträglichen Organisation des Verkehrs dar[stellen]“ (S. 144), was zudem mit dem „Anspruch an eine kompakte Stadt der kurzen Wege“ (S. 141) in Verbindung steht. Besondere Bedeutung wird dabei der „fußläufige[n] Erschließung des Wohnumfeldes bzw. der Nahversorgungszentren“ eingeräumt, wobei diese Bereiche barrierefrei ausgestaltet sein sollten (S. 145).(9)
Darüber hinaus wird der Fußverkehr im ISEK auch als Teil einer Mobilitätskette gedacht, wobei Fußwege zumeist am Haus begonnen und beendet werden. Demnach soll „[a]uf die Zugangsmöglichkeiten zu Gebäuden bzw. Wohnbereichen [...] besonders [geachtet werden], da der Fußverkehr sich in diesen Bereichen konzentriert und das hauptsächliche Verkehrsmittel darstellt“ (S.145). Dabei soll nun auch die wohnungsnahe Verfügbarkeit nachhaltiger Mobilitätsformen wie Car- oder Bikesharing) stärker berücksichtigt werden (S. 142).(9)
An dieser Stelle möchten wir Sie über den Projektverlauf in der Stadt Halle (Saale) informieren und Sie dazu auf dem Laufenden halten.
Das Projekt „Bausteine für Fußverkehrsstrategien (FVS2)“ ist am 5. Juni 2018 gestartet mit einem ersten Gespräch in der Verwaltung (PDF) inklusive eines Stadtrundganges sowie einem Workshop unter dem Motto "Wo stehen wir und wo wollen wir hin?", zu dem Verbände- und Interessensvertreter/innen aus der Region eingeladen waren, die Stadt Halle (Saale) als Modellstadt auf dem Weg zu einem Leitbild für eine Fußverkehrsstrategie zu begleiten. Den Bericht zum Workshop finden Sie hier als Download (PDF).
Am 15. August 2018 führten unsere Experten von FUSS e.V. einen Fach-Fußverkehrs-Check im Format „Blitzlicht“ auf einer ca. 3 km langen Laufroute durch die nördliche Altstadt von Halle (Saale) durch. Zudem fand am 12. November 2018 ein Fußverkehrs-Check mit der Öffentlichkeit statt. Die Auswertung der Fußverkehrs-Checks können Sie sich hier als PDF herunterladen.
Ausführliche Informationen zu unseren Fußverkehrs-Check-Methoden finden Sie übrigens unter: www.fussverkehrs-check.de
Abschließend fand am 15. Mai 2019 ein Parteiengespräch auf dem Bürgersteig statt. Die kommunalpolitische Forderung, die Stadt Halle stärker als eine fußgängerfreundliche Stadt zu entwickeln, stand dabei im Zentrum dieser Veranstaltung in Fortbewegung. Neben dem August-Bebel-Platz wurden auch das Paulusviertel (Goethestraße) und der Platz Am Steintor gemeinsam aufgesucht. Die jeweilige Situation wurde zunächst durch zwei Mitarbeiter des Fuss e.V. speziell aus der Perspektive der Fußgänger erörtert. Anschließend erhiellten jeweils ein/e Vertreter/in der Parteien die Gelegenheit, ihre Position zur zukünftigen Förderung des Fußverkehrs darzulegen. Auch die Hallenserinnen und Hallenser hatten die Möglichkeit, Fragen zur Fußverkehrsförderung an die Stadtratskandidaten zu richten. Das Protokoll zur Veranstaltung können Sie sich hier als PDF herunterladen.
Halberstadt ist eine Stadt in Sachsen-Anhalt, südwestlich von Magdeburg gelegen, mit einer Einwohnerzahl von ca. 43.000.
Die Stadt hat ihrem Fußverkehr bisher eher wenig Bedeutung beigemessen. Im Vordergrund der Planungen standen „die motorbetriebenen Verkehrsarten bzw. der ruhende Verkehr sowie die „Flüssigkeit [dieses] Verkehrs“ im Gegensatz zu „wenig messbare[n] Effekte[n] wie Gesundheit der Bevölkerung... und die Belebung der städtischen Räume durch Menschen. Aufgrund dessen wurden weder eine Fußverkehrsstrategie, ein Masterplan, noch fußverkehrsrelevante Vorgaben entwickelt. Zukünftig sieht die Stadt die Entwicklung eines Konzeptes für den Fußverkehr vor.
Quelle:
Schreiben der Abteilung Stadtplanung, i.A. Siegrun Ruprecht vom 16.08.2016
Zur Webseite der Stadt: www.halberstadt.de
Wir freuen uns, dass Göttingen als Modellstadt am Projekt „Bausteine für Fußverkehrsstrategien“ teilgenommen hat und bieten an dieser Stelle Informationen zur Stadt:
sowie zu den durchgeführten Projektaktivitäten:
Göttingen hat rund 134.000 Einwohner und liegt im Süden Niedersachsens. Die Stadt verfügt neben einem vielfältigen Angebot in den Bereichen Kultur, Geschichte und Wirtschaft auch über eine bedeutende Hochschul- und Forschungslandschaft. Die Universität Göttingen mit heute rund 30.000 Studierenden wurde bereits 1737 gegründet und bietet viele verschiedene wissenschaftliche Disziplinen an. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Göttingen um 953, ehe sie 1230 das Stadtrecht erlangt. Noch heute sind einige Sehenswürdigkeiten aus unterschiedlichen Epochen in der Stadt zu besuchen wie zum Beispiel das Alte Rathaus mit der aus dem späten 19.Jahrhundert stammenden Rathaushalle oder der Doppelflügelaltar in der Jacobikirche. Ein besonderes Wahrzeichen der Stadt ist das Göttinger Gänseliesel, eine Jugendstilfigur, der Doktoren nach ihrer bestandenen Prüfung traditionell einen Kuss auf ihre bronzene Wange geben.(1)
Angebunden ist Göttingen über die Bundesautobahnen A7 und A38 an die Großstädte Hamburg bzw. Halle (Saale) und Leipzig sowie über zahlreiche regionale und überregionale Bahnverbindungen. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) wird in Göttingen weitestgehend über ein Busnetz bestehend aus 28 Linien abgewickelt, wodurch täglich durchschnittlich rund 57.000 Fahrgäste befördert werden. Göttingen bezeichnet sich selbst als Radfahrerstadt: etwa 29 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner nutzen täglich das Fahrrad, einige sogar als primäres Verkehrsmittel. Die Stadt besitzt dabei ein ausgeschildertes Radroutennetz bestehend aus einem Radschnellweg und zahlreichen Fahrradstraßen. Auf der Website der Stadt gibt es zahlreiche Informationen für Radfahrende, aber auch über Angebote des öffentlichen Verkehrs und Car-Sharing.(2) Zudem veröffentlichte die Stadt erst kürzlich einen Radverkehrskonzept mit angeschlossenem Maßnahmenplan.(2)
Der MIV-Anteil am Modal Split hat seit 1999 (41 Prozent) abgenommen und reduzierte sich bis 2008 auf 34 Prozent, während der Fuß- und Radverkehr jeweils um etwa drei Prozent zunahmen. Der Fußwegeanteil am Modal Split liegt bei etwa 25 Prozent (Stand 2008). Dabei werden zumeist kurze Wege im Entfernungsbereich bis drei Kilometer zurückgelegt, die zum größten Teil aus Einkaufs- und Freizeitwegen bestehen. Zur Verbesserung des Fußverkehrs sind bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt und auf den Weg gebracht.(3)
Im Klimaplan Verkehr der Stadt Göttingen wird das Ziel verfolgt, bis zum Jahr 2050 einen CO2-neutralen Verkehr in der Stadt zu erreichen. Dieser beinhaltet Strategien und Maßnahmen für eine stadtverträgliche Verkehrsentwicklung und soll insbesondere den emissionsarmen Nahverkehr fördern.(4) Verkehrsplanung in Göttingen ist nach den Zielen des Klimaschutzes ausgerichtet.“ Die übergeordnete Zielstellung wurde im integrierten Gesamtkonzept „Klimaplan Verkehrsentwicklung“ 2014 festgeschrieben und durch weitere Rahmen- und Fachpläne ergänzt. Zur hundertprozentigen Reduktion von CO2 wird eine Stärkung des Umweltverbundes angestrebt, zulasten des motorisierten Individualverkehrs.(5) Im Jahr 2015 wurde im Rahmen des „Klimaplans Verkehrsentwicklung“ unter anderem ein Planungskonzept für den Fußgängerverkehr entwickelt. Zentrale Bedeutung haben hier barrierefreie Fußwegeinfrastruktur und Nahmobilität im Quartier.(6)
Zudem wurde 2017 das Nahmobilitätskonzept für die Göttinger Südstadt beschlossen und befindet sich gerade in der Umsetzungsphase. Das Initialprojekt aus dem Klimaplan Verkehrsentwicklung soll die Göttinger Südstadt „durch Verbesserung der wichtigsten Fuß- und Radwegebeziehungen aufwerten und die dortige Lebensqualität verbessern.“ Die Erkenntnisse und Maßnahmen sollen hierbei auch auf andere Stadtteile übertragbar sein.(7) Ergänzend dazu veröffentlichte die Stadt Göttingen erst kürzlich ein Radverkehrskonzept mit angeschlossenem Maßnahmenplan.(2) Bereits 2013 wurde die Fortschreibung des Nahverkehrsplan, zur Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs, für weitere fünf Jahre beschlossen. Ein aktueller Nahverkehrsplan 2018-2022 wird derzeit von der Stadt ausgearbeitet.(8)
Die strategische Weiterentwicklung und Förderung des Fußverkehrs ist ein wichtiger Bestandteil der Verkehrsentwicklungsplanung der Stadt Göttingen.(6) Auch wenn es bisher kein separates Fußverkehrskonzept für die Stadt gibt, findet dieser in anderen Fachkonzepten Berücksichtigung und wird durch diese geschützt oder gestärkt. In den Leitlinien des Radverkehrsplans ist beispielsweise festgehalten, dass „[d]ie privilegierte Stellung des Fußverkehrs [...] nicht infrage gestellt [wird]", auch wenn der „Radverkehr […] in der Innenstadt 'seiner Platz' finden [muss]“.(3)
Der Klimaplan Verkehrsentwicklung basiert auf einer individuellen Betrachtung der einzelnen Verkehrsarten. Zur Weiterentwicklung des Fußverkehrs wurde eine umfassende Bestandsanalyse durchgeführt und aktuelle Defizite im Straßenraum aufgezeigt, u.a. unzureichende Querungsmöglichkeiten, unattraktive Fußverkehrsanlagen und Nutzungskonflikte mit anderen Verkehrsarten . „Als räumliche Handlungsschwerpunkte des Fußgängerverkehrs werden für die Innenstadt sowie die Wallanlage weitergehende Empfehlungen gegeben.(4)“ Eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität soll in der Innenstadt zum Beispiel durch Sitzgelegenheiten sowie die Einrichtung öffentlicher, barrierefrei zugänglicher Toiletten geschehen. Als Maßnahme im integrierten Gesamtkonzept wurde u.a. auch die Umsetzung der Standards einer barrierefreien Fußverkehrsinfrastruktur aufgeführt.(9)
Laut der Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen und der Empfehlung für Fußgängerverkehrsanlagen sind Gehwegmindestbreiten von 2,50 Meter vorgeschrieben (10 & 11), dennoch sind im Bestand Breiten unter 1,50 Meter vorzufinden.(12) Weiterhin werden Gehwege durch andere Verkehrsteilnehmer*innen mitbenutzt, wodurch die Nutzbarkeit weiterhin eingeschränkt wird.(13) Vielerorts teilen sich der Rad- und Fußverkehr eine Verkehrsfläche, was bei hohen Verkehrsstärken ein Konfliktpotential mit sich führt. Weitere Einschränkungen entstehen durch illegal abgestellter Fahrzeuge in innerstädtischen Quartieren aber auch Wohngegenden mit hoher Parkraumnachfrage. An mehreren Lichtsignalanlagen sind die Freigabezeiten zu gering, um das Queren beider Fußgängerfurten zu ermöglichen. Das Fehlen abgesenkter Bordsteine, die unzureichende Oberflächenqualität im Seitenraum und planfreie Straßenüberquerungen stellen gerade für mobilitätseingeschränkte Personen eine Herausforderung dar. (12) Die Polizei erfasst in Göttingen jährlich etwa 60 Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Fußgänger*innen. Insgesamt lassen sich aber nur wenige Unfallhäufungsstellen identifizieren, da die Unfälle über die Stadt verteilt stattfanden.(14)
Im Klimaplan Verkehrsentwicklung ist ein Planungskonzept des Fußgängerverkehrs festgehalten. Der Fokus liegt dabei zunächst auf der Beseitigung der bekannten Mängel. Bei der Umgestaltung sollen die Anforderungen gängiger Regelwerke wie Empfehlungen für Fußverkehrsanlagen (EFA) und Hinweise für barrierefreie Verkehrsanlagen (H BVA) eingehalten werden. Dazu gehört das Einhalten der Gehwegmindestbreiten von 2,50 Meter. Um die Konflikte zwischen dem Rad- und Fußverkehr zu verringern, soll auf gemeinsame Geh- und Radwege verzichtet werden. Weiterhin ermöglicht das Abschaffen von Gehwegparken eine größere Fußverkehrsfläche. Besonders für mobilitätseingeschränkte Personen soll eine glatte Oberfläche, das Anbringen taktiler Leitstreifen und maximale Querneigungen von zwei Prozent die Attraktivität des Fußverkehrs steigern. Das Absenken der Bordsteine an allen Knotenpunkten sowie das Verlängern der Freigabezeit an Lichtsignalanlagen sollen das Queren beider Furten innerhalb einer Phase ermöglichen. Zuletzt soll die Aufenthaltsqualität durch Verweilmöglichkeiten erhöht werden.(15)
Das Nahmobilitätskonzept für die Göttinger Südstadt beschäftigt sich mit dem Ziel, die Stärkung des Fuß- und Radverkehrs sowie die Aufenthaltsqualität in öffentlichen Räumen zu verbessern. In dem umfassenden Handlungskonzept ist der Fußverkehr und der Abbau von Barrieren und Angsträumen als ein thematischer Schwerpunkt festgelegt. Der entwickelte Maßnahmenkatalog zur Förderung des Fußverkehrs basiert auf folgenden drei Grundlagen:
Eine besonders hohe Priorität wurde den Maßnahmen zur Reduzierung des Gehwegparkens (Kfz), zum (Um-)Bau von Zebrastreifen und Mittelinseln sowie zum Bau von Gehwegvorstreckungen zugeordnet. Die Umsetzung erfolgt unter Beteiligung von Verbänden, Interessenvertretungen und der Bevölkerung vor Ort.(7)
Eine Besonderheit im Fuß- und Radverkehr stellen die sogenannten Göttinger Doppel-Zebras dar. Darunter wird eine separate Radverkehrsfurt verstanden, die in Fußgängerüberwegen mittig integriert ist. Ziel ist eine bessere Überquerbarkeit von Hauptnetzstraßen für den Radverkehr und somit eine Erhöhung der Verkehrssicherheit. Im Jahr 2000 wurde die Lösung erstmals erarbeitet und umgesetzt.(16) Das Göttinger Doppelzebra entlang von Vorfahrtstraßen über Einmündungen erlebt eine durchweg positive Resonanz der Verkehrsteilnehmenden und führt sowohl zu einer Steigerung der Verkehrssicherheit als auch zu einer Reduzierung von Nutzungskonflikten zwischen dem Fuß- und Radverkehr.(17)
Seit 2004 wurden erstmals Doppel-Zebras bei Fußgängerüberwegen an Hauptverkehrsstraßen außerhalb von Knotenpunkten umgesetzt.(16) Eine integrierte Bevorrechtigung des Radverkehrs in einen Fußgängerüberweg zur Querung einer (Hauptverkehrs-)Straße wurde jedoch für nicht zulässig erklärt. Hierfür sprechen neben der straßenverkehrsrechtlichen Unzulässigkeit auch die Unfallanlayse. „Erst mit einer Änderung der StVO und umfassenden Kommunikationsmaßnahmen sollten weitere Einsatzmöglichkeiten geprüft werden.“(17)
An dieser Stelle möchten wir Sie über den Projektverlauf und die Ergebnisse von den stattgefundenen Veranstaltungen in der Stadt Göttingen informieren.
Die Projektaktivitäten in Göttingen haben am 20. November 2018 mit einem Vorgespräch bei der Stadtverwaltung und anschließendem Rundgang durch die Stadt begonnen. Das Protokoll können Sie hier als PDF herunterladen. Des Weiteren fand am 28. März 2019 ein Fußverkehrsstrategie-Workshop mit Stadtverwaltung, Verbänden und Interessenvertretungen statt. Außerdem haben wir in derselben Woche einen Fach-Fußverkehrs-Check durchgeführet. Am 18. Juni 2019 fand ein öffentlicher Fußverkehrs-Check statt. In der NDR-Sendung "Hallo Niedersachsen" vom 18.06.2019 und im Göttinger Tageblatt wurde darüber berichtet. Die Ergebnisse beider Fußverkehrs-Checks finden sich in einem gesamtheitlichen Bericht (PDF) wieder. Das Abschlussgespräch (PDF) mit der Stadtverwaltung fand am 6. Februar 2020 statt.