Kiel
In der KielRegion in Schleswig-Holstein leben ca. 640.000 Menschen. Wie man anhand des Model-Split erkennen kann, bewegen sich diese Menschen auf unterschiedlichem Wege im Raum. Während in der Landeshauptstadt Kiel der Fußwegeanteil bei 30% liegt, beträgt dieser „[i]n den Mittelzentren Rendsburg, Eckernförde und Plön“ rund 24% und „[i]n den Gemeinden im Kieler Umland [sowie]...im übrigen Umland 19% bzw. 20%... Dies hat...[u.a.] mit den Versorgungsstrukturen und den damit in der Regel längeren Wegen zu tun....[sowie] auch [mit] fehlende[n] fachliche[n] Kapazitäten.“
„Besonders in den ländlichen Gemeinden und den Mittelzentren“ muss sich, im Gegensatz zum Radverkehr, „das Verständnis für die Bedeutung des Fußverkehrs“ erst entwickeln, wobei das Thema Barrierefreiheit und somit auch der Fußverkehr auch hier in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnen.
„In Kiel ist der Fußverkehr [, insbesondere das Thema Kindermobilität] fester Bestandteil des Verkehrsentwicklungsplanes von 2008.“ Die Stadt hat ein flächendeckendes Fußwegenetz mit Handlungsschwerpunkten sowie „Standards für Fußwege und Kinderwege“ als „allgemein gültige...Zielvorgabe bei den Bemühungen um die Entwicklung von Maßnahmen zur Förderung des Fußverkehrs“ entwickelt. „[Außerdem gibt es] seit 15 Jahren...einen Arbeitskreis Fußverkehr, der jährlich eine Mängeltour...in den verschiedenen Stadtteilen durchführt.“
Im Tourismusbereich „entstehen Kooperationen mit AktivRegionen (LEADER) und Tourismusverbänden“, um „im Bereich Fußverkehr mit touristischen Leitsystemen, die Sehenswürdigkeiten oder Wanderrouten aus[zu]weisen“.
„In der KielRegion wird derzeit ein Masterplan Mobilität erarbeitet[, der] … der Entwicklung von Mobilitätslösungen... für Städte und Gemeinden im ländlichen Raum [der gesamten Region] sowie für die Landeshauptstadt Kiel dient... [und] im Regionalen Entwicklungskonzept (REK) der KielRegion als Leitprojekt [definiert wurde].“ Hier sollen die Themen Nahmobilität und Fußverkehr strategisch verankert werden.
Dieser Masterplan „wird als Klimaschutzteilkonzept 'Mobilität in Kommunen' durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert.“
Im Sommer 2017 soll ein umsetzungsorientiertes Handlungskonzept vorliegen, das von den Kreisen Plön und Rendsburg-Eckernförde, der Landeshauptstadt Kiel und der NAH.SH (Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein) als Projektpartner und von der IHK zu Kiel sowie dem Land Schleswig-Holstein unterstützt wird.
Angelehnt an dem Konzept der Fußwegeachsen in Kiel soll „ein praxisnaher Leitfaden zur Förderung des Fußverkehrs...den Kommunen in der Region eine Grundlage für die Erarbeitung von Fußverkehrsstrategien aber auch für konkrete Maßnahmen zur Förderung des Fußverkehrs bieten.“
Die Stadt Kiel hat sich zudem als Modellstadt “Aktive Mobilität in städtischen Quartieren“ (ExWoSt) des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und des Umweltbundesamtes (UBA) beworben und den Zuschlag bekommen. Hierbei handelt es sich um einen wichtigen Teil der Projekt-„Familie“ zur Förderung des Fußverkehrs, der mit den anderen Teilprojekten „Handlungsleitfaden für Fußverkehrsstrategien (FVS)“ des Fachverbandes Fußverkehr Deutschland FUSS e.V. und „Fußverkehrsstrategie auf Bundesebene“ des Deutschen Instituts für Urbanistik Difu eng vernetzt zusammen arbeitet.
Die Landeshauptstadt Kiel hat sich bereit erklärt,„als Modellstadt für den fachlichen Austausch zur Verfügung zu stehen und so ihr `Knowhow´ im Bereich der Fußverkehrsförderung mit Partnern in der Region zu teilen“. In diesem Sinne hat sie für die Aktivitäten im Rahmen des Projektes „Handlungsleitfaden für Fußverkehrsstrategien (FVS)“ zugunsten der Stadt Rendsburg verzichtet, wird aber zusätzlich eine Vernetzungsveranstaltung der Fußverkehrsaktivitäten in der Region voraussichtlich Ende 2017 durchführen.
Quelle:
Schreiben der KielRegion GmbH, Janet Sönnichsen vom 29.09.2016
Zur Webseite der Stadt: www.kiel.de
Jena
Wir freuen uns, dass Jena zur Modellstadt des Projektes „Handlungsleitfaden für Fußverkehrsstrategien (FVS)“ ausgewählt wurde und bieten hiermit erste Informationen zur Stadt:
sowie zu den durchgeführten und geplanten Projektaktivitäten:
- Projekt-Konzept für die Stadt Jena
- 1. Fußverkehrscheck der Verkehrsachse östlich der Innenstadt - „BlitZlicht“ (PDF) mit Mängelanalyse, Lösungsansätzen und Fazit
- 2. Fußverkehrscheck der Verkehrsachse östlich der Innenstadt - „Wetterleuchten“ (PDF) als eine Protokoll-Zusammenfassung
- 1. Workshop: Jena – Wo stehen wir und wo wollen wir hin? (PDF)
- 2. Workshop: Jena – Wie wollen wir unsere Ziele erreichen? (PDF)
Das Projekt bezieht sich in seiner Zielsetzung auf den noch gültigen Verkehrsentwicklungsplan aus dem Jahre 2002 (1) und verfolgt als Teilziel, die Aspekte des Zu-Fuß-Gehens in diesem Sinne zu konkretisieren. Es möchte sich einbringen in die laufende Diskussion zur Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplanes (2) und zu den Leitlinien der zukünftigen Mobilität in Jena, die zurzeit erst im Entwurf vorliegen.(3)
Kurzvorstellung der Stadt Jena

Die Stadt führt den Untertitel „Lichtstadt“ und liegt im „Grünen Herzen“ Deutschlands im landschaftlich reizvollen Saaletal in Thüringen. Sie hat derzeit mit ihren 34 Ortsteilen insgesamt 107.000 Einwohnerinnen und Einwohner, mit einem steigenden Trend. Auffallend ist, dass insbesondere die Zahl der über 75-jährigen Menschen bis 2030 um ein Drittel ansteigt und sich die Zahl der über 85-Jährigen sogar verdoppeln wird. Und dennoch ist Jena eine junge Stadt: An der ältesten Universität, der Friedrich-Schiller-Universität, sind derzeit 18.400 Studenten eingeschrieben, dazu kommen 4.700 Studenten der Ernst-Abbe-Hochschule. Darüber hinaus beherbergt die Stadt z.B. mit der Max-Planck- und Fraunhofer-Gesellschaft sowie der Leibniz-Gemeinschaft zahlreiche Institute und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen.
Jena ist durch die Bundesstraßen B7 und B88 an das überregionale Straßennetz angeschlossen; die Trassen sind allerdings gleichzeitig eine Herausforderung für die Wegeführungen der anderen Verkehrsarten im Stadtbereich. Für die etwa 25.000 Ein- und10.000 Auspendler werden in Zukunft noch bessere Verbindungen im Schienenpersonennahverkehr über die vier innerstädtischen Haltepunkte durch den Ersatz der IC/ICE- durch RE-Anbindungen entstehen. Das Liniennetz des städtischen Verkehrsunternehmens ist mit 5 Straßenbahn- und 11 Buslinien hervorragend ausgebaut (Modalsplit 2013: 19 % ÖPV). In Jena treffen fünf Fernradwege aufeinander, denen in den vergangenen Jahre besondere Aufmerksamkeit zuteil wurde (Modalsplit 2013: 9 % Fahrrad). Die Anbindung der regionalen Wanderwege wurde in den bisherigen Konzeptionen nicht besonders hervorgehoben, es wurden allerdings in den vergangenen Jahren vor allem entlang der Saale mehrere Fußwege umgestaltet und so attraktive Aufenthaltsbereiche geschaffen.
Mobilitäts-Konzepte für Jena

„Die Stadt Jena verfügt über umfassende Strategien und Konzepte zur Stadtentwicklung und -gestaltung, zur Verkehrsentwicklung sowie zu Umweltfragen. Inhalt all dieser Planungen ist die Verbesserung der Lebensbedingungen durch die Förderung umweltfreundlicher Mobilität. Der Verkehrsentwicklungsplan (VEP) 1993 räumte dem Fußverkehr im Zielkonzept zwar eine hohe Bedeutung ein, es erfolgte jedoch auf dieser Bearbeitungsebene keine detaillierte Behandlung. Auch der VEP 2002 geht über eine auf das innerstädtische Bundesstraßennetz beschränkte Mängelanalyse (fehlende Fußwege) nicht hinaus…(1). Eine detaillierte, auf die Belange des Fußverkehrs bezogene Untersuchung können auf Grund der Themensetzung auch [die Stadtentwicklungskonzepte Nord, Ost und West/Zentrum sowie in den städtebaulichen Rahmenplänen Lobeda und Winzerla] nicht umfassend leisten.“ Jena verfügt „über kein geschlossenes Fußgängerkonzept.“(4)
Die Leitlinien für die zukünftige Mobilität in Jena, die zurzeit erst im Entwurf vorliegen,(3) beinhalten für den Fußverkehr konzeptionellen Handlungsbedarf und zeigen im Wesentlichen bereits die Kernbereiche für Struktur- und Service-Maßnahmen auf. Zu nennen sind hier insbesondere
- die „Verminderung der Trennwirkung durch Infrastruktur im Stadtraum“,
- eine „städtebaulich verträgliche und umfeldgerechte Gestaltung von Hauptverkehrsstraßen…“,
- die „Ermöglichung einer eigenständigen, sicheren, barrierefreien und kostengünstigen Mobilität für alle“,
- eine „systematische Förderung der Nahmobilität durch Schaffung eines zusammenhängenden Netzes von sicheren, umweg- und wartezeitarmen, komfortablen und barrrierefreien Wegen im Fuß- und Radverkehr unter besonderer Berücksichtigung der Überquerbarkeit von Straßen, Schienenwegen und naturräumlich bedingten Zäsuren“,
- eine „flächenhaft wirksame Priorisierung des Fußverkehrs in der Innenstadt…“, etc. (5)
Im Abschnitt „Strategien zur Mobilitätsentwicklung“ wird festgestellt: „Der Fußverkehr ist die wichtigste Verkehrsart in Jena, wenn man dessen Wegeanteil am Modalsplit betrachtet. Die Bedingungen im Fußverkehr sind allerdings derzeit in vielen Bereichen wenig förderlich. Verbesserungswürdig sind insbesondere die Nutzbarkeit von straßenbegleitenden Gehwegen und die Überquerbarkeit von stark befahrenen Straßen […] die Verkürzung von Wartezeiten an Signalanlagen sowie der Ersatz bzw. die Ergänzung von beschwerlichen, von Mobilitätsbeeinträchtigten kaum nutzbaren und teilweise sozial unsichere Unter- und Überführungen durch ebenerdige Querungsstellen…“(6)
Bereits seit längerem engagiert sich Jena für eine möglichst umweltfreundliche Abwicklung des Verkehrs. So konnte die Stadt wiederholt den European Energy Award in Gold erlangen (7), nahm am Wettbewerb „Emissionsfreie Mobilität in den Kommunen“ teil (8) und führte eine eigene Kampagne für umweltfreundliche Mobilität „Schritt für Schritt“ durch (9), die 2011 mit einem Anerkennungspreis des Thüringer Umweltministeriums gewürdigt wurde. 2014 wurde „eine Online-Befragung durchgeführt, in der auch spezielle fußverkehrsrelevante Fragestellungen enthalten waren. Zusammen mit den Ergebnissen eines durch den VCD Jena durchgeführten `Ampeltestes`(2016) des FUSS e.V. sowie der Verkehrsunfallstatistik Jena wurden in einem ersten Schritt zunächst die bestehenden Mängel erfasst…. Vor allem entlang der Saale wurden in den vergangenen Jahren mehrere Fußwege umgestaltet und so attraktive Aufenthaltsbereiche geschaffen.“
Die Stadtverwaltung möchte den vergleichbar hohen Anteil des Fußverkehrs am Modalsplit (2013: 38%) erhalten und ausbauen. Die strategische Förderung des Fußverkehrs kann noch gesteigert werden. Allerdings gibt es in der Stadt eine wachsende Kritik an der Zurückdrängung des motorisierten Individualverkehrs MIV (Modalsplit 2013: 34 %).(4) So wird in Jena auch der externe Impuls von FUSS e.V. zur Stärkung des Problembewusstseins hoch bewertet um die Überwindung einer eher autoorientierten Grundstimmung zu unterstützen.
Projekt-Konzept für die Stadt Jena

Inhaltliche Schwerpunkte des Fußverkehrschecks in der Stadt Jena sollen nach der ersten Gesprächsrunde (PDF) im Dezernat für Stadtentwicklung und Umwelt (Fachdienst Stadtumbau und Infrastruktur) am 19. Januar 2017
- die Gegebenheit für Fußgängerinnen und Fußgänger in der Achse entlang der Wegeführung an der Saale östlich der Bahnlinie und der stark befahrenen Straßenverbindung westlich der Bahnlinie sowie
- die fußverkehrsrelevanten Querverbindungen zwischen dem Grünzug an der Saale und der Innenstadt
sein. Diese Vorgabe bezieht sich auf den Abschnitt „Die Innenstadt und die Stadtteilzentren – attraktiv und hochwertig gestaltet“ im Entwurf der Leitlinien Mobilität: „Der Straßenring um das Zentrum ist zu Fuß umwegfrei, wartezeitarm, sicher und barrierefrei überquerbar.“(10) Dazu wurde bereits ein 1. Fußverkehrscheck der Verkehrsachse östlich der Innenstadt (PDF)als Mängelanalyse mit verschiedenen Lösungsansätzen und einem Fazit durchgeführt. Auszüge aus den Ergebnissen wurden bei einer zweiten Ortsbegehung mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Verwaltung, aus Verbänden und örtlichen Gremien diskutiert. Eine Protokoll-Zusammenfassung finden Sie unter 2. Fußverkehrscheck.
Darüber hinaus wünschte sich die Stadtverwaltung,
- das Problembewusstsein zu schärfen und richtigzustellen, dass der Fußverkehr den anderen Verkehrsteilnehmern nichts wegnimmt, sondern ganz im Gegenteil einen Lösungsansatz für zahlreiche städtische Probleme darstellt, z.B. zur Erreichung der Vorgaben der Klimaschutzpolitik, der europäischen Grenzwerte für Luftschadstoffe und Lärm, der Barrierefreiheit, des Kinderschutzes, der Verkehrsunfälle, usw. sowie
- ganz allgemein das Interesse für die nachhaltigen Verkehrsarten zu wecken.
Hierzu war der gesprächsfördernde Workshop: Jena – Wo stehen wir und wo wollen wir hin? (PDF) ein innovativer Baustein des Projektes. In einem 2. Workshop (PDF) hat die Stadtverwaltung gemeinsam mit den Vertretern des FUSS e.V. über die zukünftigen Schritte beraten und teilweise konkrete Schritte festgelegt. Einige der analysierten Querungsstellen sollen zukünftig verändert werden oder sind bereits als Maßnahme in die Wege geleitet worden. Für die in Priorität gesetzte Erarbeitung eines Fußwegenetzes hat der FUSS e.V. auch seine zukünftige Mitarbeit angeboten.
Quellen:
- Stadt Jena, Dezernat für Stadtentwicklung und Bauwesen (Auftraggeber): Stadt Jena – Verkehrsentwicklungsplan VEP 2002, Ingenieurgemeinschaft Schnüll Haller und Partner, Hannover (Auftragnehmer)
- Vgl. „Thesen für die Leitlinien Mobilität in Jena 2030 als Grundlage für den Workshop am 20. April 2015“
- Stadt Jena, Dezernat für Stadtentwicklung und Umwelt, Fachbereich Stadtumbau, Team Verkehrsplanung und Flächen (Auftraggeber): Verkehrsentwicklungsplan - Leitlinien Mobilität in Jena 2030, Entwurf Stand 30.11.2015, plan.publik, Prof. Karl Heinz Schäfer (Auftragnehmer)
- Diese und weitere Informationen, die nicht als Zitat gekennzeichnet sind, wurden aus dem Bewerbungsschreiben der Stadtverwaltung vom 11.08.2016 entnommen.
- Leitlinien Mobilität in Jena 2030, 3.2 Qualitäts- und Handlungsziele, S.10-12
- Leitlinien Mobilität in Jena 2030, 4.1 Strategie 1: Förderung der Nahmobilität im Umweltverbund, S.14
- Höchste Stufe des europäischen Gütezertifikates für die Nachhaltigkeit der Energie- und Klimaschutzpolitik der Kommunen, siehe www.european-energy-award.de
- Bundeswettbewerb zur Förderung des Fuß- und Radverkehrs, ausgeschrieben vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, siehe www.kommunalwettbewerb.de
- Jenaer Umweltpreis siehe www.schritt-fuer-schritt.net
- Leitlinien Mobilität in Jena 2030, Blickwinkel 4, S.9
Halle (Saale)
Wir freuen uns, dass Halle (Saale) als Modellstadt am Projekt „Bausteine für Fußverkehrsstrategien“ teilgenommen hat und bieten an dieser Stelle Informationen zur Stadt:
sowie zu durchgeführten Projektaktivitäten:
- Projektverlauf
- Vorgespräch und Stadtrundgang mit der Verwaltung (PDF)
- Workshop "Wo stehen wir und wo wollen wir hin?" (PDF)
- Fußverkehrs-Checks (PDF)
- Abschlussveranstaltung: Parteiengespräch auf dem Bürgersteig (PDF)
Kurzvorstellung der Stadt

Die Stadt Halle (Saale) hat circa 241.000 Einwohner und liegt im Süden von Sachsen-Anhalt. Mit dem Flughafen Leipzig-Halle sowie zahlreichen ICE-Verbindungen und Autobahnanschlüssen genießt Halle eine verkehrliche Lagegunst in Mitteldeutschland.(1)
Bekannt ist die Stadt unter anderem als Geburtsstadt des Komponisten Georg Friedrich Händel, was einen großen Einfluss auf das örtliche Kulturangebot hat. Darüber hinaus profitiert die Stadt von einem „konzentrierte[n] Mix aus Kunst, Kultur, Erholung, Gastronomie und Einkauf“ sowie einer Großzahl an Wasser- und Grünanlagen entlang sowie abseits der Saale.(2)
Die erste namentliche Erwähnung erfuhr Halle bereits vor mehr als 1200 Jahren, wurde aber erst im Jahr 1258 unabhängig und 23 Jahre später urkundlich zur Hansestadt ernannt. Der Name der Stadt leitet sich wahrscheinlich aus dem keltischen Wort „halla“ her, was so viel bedeutet wie „Stätte der Salzzubereitung“. Schon vor mehr als 2000 Jahren wurden unweit der Saale Salzwasserquellen entdeckt, die von keltischen, germanischen und slawischen Stämmen zur Salzproduktion verwendet wurden. Die Salzgewinnung und der Salzhandel waren auch noch im 18. Jahrhundert für die Wirtschaft der Stadt prägsam und bis heute sind die Salzarbeiter unter dem Namen „Halloren“ bekannt. Schließlich musste die Salzproduktion aus wirtschaftlichen Gründen 1964 eingestellt werden. Seit 1969 erinnert ein Salinemuseum an die historische Salzgewinnung.(3)
Besonders eindrücklich ist der Kontrast zwischen der historisch gewachsenen Altstadt und der Anfang der 1960er Jahre erbauten DDR-Arbeitersiedlung Halle-Neustadt im Westen der Stadt. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts siedelten sich mehr und mehr Chemiebetriebe in Halle und Umgebung an, was mit den Jahrzehnten immer mehr Arbeiter in die Region zog. Um diesem „Ansturm“ beizukommen, begann man schließlich im Jahr 1964, Wohnungen im großen Stil mit für die DDR berühmten Plattenbauten westlich der Saale zu errichten. Die Bebauung des westlichen Saaleufers war lange Zeit bautechnisch schwierig aufgrund des hohen Grundwasserspiegels. Dieser wird seitdem mittels Pumpen reguliert.(3)

Sehr prägnant im Stadtbild von Halle ist der Riebeckplatz, ein großer Verkehrsknoten unweit des Hauptbahnhofs. Dieser Platz gliedert sich insgesamt in drei Ebenen: Erstens die Hochstraßenbrücke, über welche die heutige Bundesstraße B80 in Nord-Süd-Richtung geführt wird; zweitens der darunter gelegene Kreisverkehr, an dem Verkehre aus allen Himmelsrichtungen in der Stadt zusammenlaufen und an den sich im Südosten ein Busbahnhof angliedert; drittens die untersten Ebene, auf welcher der Fuß-, Rad- und Straßenbahnverkehr unter den großen Verkehrsplatz hindurch geführt wird und wodurch eine wichtige fußläufige Verbindung vom Hauptbahnhof in die Innenstadt besteht. An den unteren Riebeckplatz schließt sich im Westen die Leipziger Straße an, die seit 1974 als Fußgängerzone bis zum Marktplatz führt.(3)

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) wird in Halle weitestgehend über Straßenbahnen abgewickelt, die im Altstadtbereich durch teils enge Straßen (z.B. Große Ulrichstraße) geführt werden. Auf diese Weise ist auch der ansonsten autofreie Marktplatz mit öffentlichen Verkehrsmitteln direkt zu erreichen.(4)
Der Anteil des Fußgängerverkehrs beträgt in Halle zurzeit ca. 33 % (Quelle: SrV 2013). Damit hat es im Vergleich zur SrV-Erhebung aus dem Jahr 1994 eine leichte Steigerung um 2 % gegeben, was zeigt, dass Zufußgehen in Halle (Saale) nach wie vor eine sehr verbreitete und beliebte Art der Fortbewegung ist.(5)
Fußverkehr in den konzeptionellen Planungen der Stadt
Gemäß des gültigen Verkehrspolitischen Leitbildes der Stadt Halle (Saale) aus dem Jahr 1997 (4) und den Verkehrspolitische Leitlinien der Stadt Halle (Saale) aus dem Jahr 2016 (7) ist es erklärtes verkehrspolitisches Ziel der Stadt Halle (Saale), den Fußverkehr zu fördern.(5)
Derzeit arbeitet die Stadt Halle (Saale) an der Erstellung eines aktuellen Stadtmobilitätsplans und im Rahmen dessen auch an einer Fußverkehrsstrategie.(5) Dazu fanden in den Jahren 2011-12 diverse Workshops mit unterschiedlichen verkehrlichen und räumlichen Schwerpunkten statt, darunter auch ein Fußverkehrs-Workshop in Kooperation mit einem Planungsbüro.(6)
Für den Altstadtbereich sind im Integrierten Stadtentwicklungskonzept Altstadt ebenfalls Ziele für den Fußverkehr definiert: Die Altstadt soll demnach autoarm werden, wobei die Verkehrsteilnehmer des Umweltverbunds (Fußgänger-, Radverkehr und Straßenbahnen) Vorrang haben sollen (S. 26). Außerdem sollen im Sinne der „Aufenthaltsqualität und Vernetzung für Fußgänger und Radfahrer “ Wegeverbindungen ausgebaut und das touristische Wegesystem aufgewertet werden (S. 33).(8)
Auch im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) 2025 aus dem Jahr 2017 wird beschrieben, dass „[d]ie Stärkung des Rad- und Fußverkehrs und die Erhöhung seines Anteils am Gesamtverkehr [...] einen wesentlichen Beitrag zur stadt- und umweltverträglichen Organisation des Verkehrs dar[stellen]“ (S. 144), was zudem mit dem „Anspruch an eine kompakte Stadt der kurzen Wege“ (S. 141) in Verbindung steht. Besondere Bedeutung wird dabei der „fußläufige[n] Erschließung des Wohnumfeldes bzw. der Nahversorgungszentren“ eingeräumt, wobei diese Bereiche barrierefrei ausgestaltet sein sollten (S. 145).(9)
Darüber hinaus wird der Fußverkehr im ISEK auch als Teil einer Mobilitätskette gedacht, wobei Fußwege zumeist am Haus begonnen und beendet werden. Demnach soll „[a]uf die Zugangsmöglichkeiten zu Gebäuden bzw. Wohnbereichen [...] besonders [geachtet werden], da der Fußverkehr sich in diesen Bereichen konzentriert und das hauptsächliche Verkehrsmittel darstellt“ (S.145). Dabei soll nun auch die wohnungsnahe Verfügbarkeit nachhaltiger Mobilitätsformen wie Car- oder Bikesharing) stärker berücksichtigt werden (S. 142).(9)
Projektverlauf
An dieser Stelle möchten wir Sie über den Projektverlauf in der Stadt Halle (Saale) informieren und Sie dazu auf dem Laufenden halten.
Das Projekt „Bausteine für Fußverkehrsstrategien (FVS2)“ ist am 5. Juni 2018 gestartet mit einem ersten Gespräch in der Verwaltung (PDF) inklusive eines Stadtrundganges sowie einem Workshop unter dem Motto "Wo stehen wir und wo wollen wir hin?", zu dem Verbände- und Interessensvertreter/innen aus der Region eingeladen waren, die Stadt Halle (Saale) als Modellstadt auf dem Weg zu einem Leitbild für eine Fußverkehrsstrategie zu begleiten. Den Bericht zum Workshop finden Sie hier als Download (PDF).
Am 15. August 2018 führten unsere Experten von FUSS e.V. einen Fach-Fußverkehrs-Check im Format „Blitzlicht“ auf einer ca. 3 km langen Laufroute durch die nördliche Altstadt von Halle (Saale) durch. Zudem fand am 12. November 2018 ein Fußverkehrs-Check mit der Öffentlichkeit statt. Die Auswertung der Fußverkehrs-Checks können Sie sich hier als PDF herunterladen.
Ausführliche Informationen zu unseren Fußverkehrs-Check-Methoden finden Sie übrigens unter: www.fussverkehrs-check.de
Abschließend fand am 15. Mai 2019 ein Parteiengespräch auf dem Bürgersteig statt. Die kommunalpolitische Forderung, die Stadt Halle stärker als eine fußgängerfreundliche Stadt zu entwickeln, stand dabei im Zentrum dieser Veranstaltung in Fortbewegung. Neben dem August-Bebel-Platz wurden auch das Paulusviertel (Goethestraße) und der Platz Am Steintor gemeinsam aufgesucht. Die jeweilige Situation wurde zunächst durch zwei Mitarbeiter des Fuss e.V. speziell aus der Perspektive der Fußgänger erörtert. Anschließend erhiellten jeweils ein/e Vertreter/in der Parteien die Gelegenheit, ihre Position zur zukünftigen Förderung des Fußverkehrs darzulegen. Auch die Hallenserinnen und Hallenser hatten die Möglichkeit, Fragen zur Fußverkehrsförderung an die Stadtratskandidaten zu richten. Das Protokoll zur Veranstaltung können Sie sich hier als PDF herunterladen.
Quellen
- Webseite der Stadt Halle, Kategorie Stadtentwicklung, abgerufen am 28.06.2018 unter: http://www.halle.de/de/Verwaltung/Stadtentwicklung
- Webseite der Stadt Halle, Kategorie Willkommen in Halle, abgerufen am 28.06.2018 unter: http://www.halle.de/de/Kultur/Willkommen-in-Halle
- Webseite der Stadt Halle, Kategorie Stadtgeschichte, abgerufen am 28.06.2018 unter: http://www.halle.de/de/Kultur/Stadtgeschichte > Chronik
- Verkehrspolitisches Leitbild der Stadt Halle (1997), abgerufen am 28.06.2018 unter: http://www.halle.de/de/Verwaltung/Online-Angebote/Veroeffentlichungen/index.aspx?RecID=314
- Schreiben des Beigeordneten für Stadtentwicklung und Umwelt der Stadt Halle (Saale), Uwe Stäglin, vom 30.08.2016
- Webseite der Stadt, Kategorie Verkehrsentwicklungsplan (VEP) Halle 2025, abgerufen am 28.06.2018 unter: http://www.halle.de/de/Verwaltung/Stadtentwicklung/Verkehr/Planung/Verkehrsentwicklungs-06624
- Verkehrspolitische Leitlinien der Stadt Halle (Saale) (2016), abgerufen am 28.06.2018 unter: http://www.halle.de/de/Verwaltung/Stadtentwicklung/Verkehr/Planung/Verkehrsleitlinien
- Integriertes Entwicklungskonzept Altstadt der Stadt Halle (Saale) (2013), abgerufen am 20.07.2018 unter: http://www.halle.de/de/Verwaltung/Stadtentwicklung > Publikationen
- Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) 2025 der Stadt Halle (Saale) (2017), abgerufen am 20.07.2018 unter: http://www.halle.de/de/Verwaltung/Online-Angebote/Veroeffentlichungen/?RecID=757 > Downloads
Halberstadt
Halberstadt ist eine Stadt in Sachsen-Anhalt, südwestlich von Magdeburg gelegen, mit einer Einwohnerzahl von ca. 43.000.
Die Stadt hat ihrem Fußverkehr bisher eher wenig Bedeutung beigemessen. Im Vordergrund der Planungen standen „die motorbetriebenen Verkehrsarten bzw. der ruhende Verkehr sowie die „Flüssigkeit [dieses] Verkehrs“ im Gegensatz zu „wenig messbare[n] Effekte[n] wie Gesundheit der Bevölkerung... und die Belebung der städtischen Räume durch Menschen. Aufgrund dessen wurden weder eine Fußverkehrsstrategie, ein Masterplan, noch fußverkehrsrelevante Vorgaben entwickelt. Zukünftig sieht die Stadt die Entwicklung eines Konzeptes für den Fußverkehr vor.
Quelle:
Schreiben der Abteilung Stadtplanung, i.A. Siegrun Ruprecht vom 16.08.2016
Zur Webseite der Stadt: www.halberstadt.de